Tales of Sudurpaschim

Wünsche aus Baitadi. Wir sind in der Provinz Sudurpaschim, ganz im Westen Nepals. Der Anlass war ernst: An mehreren Schulen im Distrikt Baitadi hatten Schülerinnen und Schüler immer wieder Schrei- und Ohnmachtsanfälle, ohne erkennbare medizinische Ursache. Fachleute nennen das Massenhysterie. Im Oktober 2025 hat unser Projektpartner Mahendra Joshi mit Unterstützung durch Nepalmed einen viertägigen Workshop angestoßen, mit Beratungsgesprächen und einer Kreativreihe. Aus dem Schreibworkshop an der Shree Krishna Secondary School in Baitadi ist ein Buch entstanden: „Hamri Batai“ (हमरी बातै), „Unsere Geschichten“ in der Baitadi-Sprache.

Es sind die Tales of Sudurpaschim. Vier der Geschichten schalten wir in diesem Advent frei, jeden Sonntag eine. Denn jede Geschichte trägt einen Wunsch in sich.


Wishes from Baitadi.
We are in Sudurpaschim Province, in the far west of Nepal. The reason was serious: at several schools in Baitadi district, students kept having episodes of screaming and fainting with no apparent medical cause. The technical term is mass hysteria. In October 2025, our project partner Mahendra Joshi, with support from Nepalmed, set a four-day workshop in motion, with counselling sessions and a creativity series. The writing workshop at Shree Krishna Secondary School in Baitadi turned into a book: “Hamri Batai” (हमरी बातै), “Our Stories” in the Baitadi language.

These are the Tales of Sudurpaschim. We unlock four of the stories this Advent, one every Sunday. Each story carries a wish.

Hamri Batai – हमरी बातै – Unsere Geschichten

Our stories (Cover) Tales of Sudurpaschim

„What if I could use the sun to make electricity?“

Der 1. Wunsch: LICHT The 1st wish: LIGHT

„A Genius Boy“ by Bibek Pd. Awasthi Klasse 9B/Class 9B

🇩🇪 Es war einmal in einem kleinen Dorf namens Sundarpur, wo ein Junge namens Aarav Awasti lebte. Obwohl er erst fünfzehn Jahre alt war, arbeitete sein Verstand schneller als ein Computer. Seine Leidenschaft für die Wissenschaft machte ihn unter seinen Altersgenossen zu etwas Besonderem. Während andere Kinder draußen spielten, verbrachte er aufgrund seiner Neugier und Intuition Stunden damit, kaputte Radios auseinanderzunehmen und Maschinen zu untersuchen. Nr. 3 „A Genius Boy“, Bibek Pd. Awasthi, Klasse 9 BSeine armen Eltern, die Bauern waren, konnten sich keine teuren Bücher leisten, doch Aarav gab sein Interesse am Lernen neuer Dinge nie auf. Er lieh sich Bücher aus der Schulbibliothek aus und sammelte sogar alte Wissenschaftsmagazine aus verschiedenen Quellen. In einem heißen Sommer stand Sundarpur vor einem ernsten Problem. Ein Sturm hatte die Hochspannungsleitung beschädigt, was zu einem tagelangen Stromausfall in der Region führte. Die Menschen befanden sich in einer verzweifelten Lage, da sie weder Ventilatoren noch Licht oder gar Wasserpumpen benutzen konnten. Alle Dorfbewohner litten darunter. Aarav sah, wie schwer das Leben geworden war, und beschloss, eine Lösung zu finden. Er begann darüber nachzudenken, eine alternative Stromquelle zu entwickeln, damit die Menschen nicht mehr vollständig auf die Stromversorgung über Strommasten angewiesen wären. Eines Abends, als er den Sonnenuntergang beobachtete, spürte Aarav die Wärme der Sonne in der Dämmerung. In diesem Moment kam ihm plötzlich eine Idee, und er murmelte: „Was wäre, wenn ich die Sonne nutzen könnte, um Strom zu erzeugen?“

Aarav begann, mit kleinen Spiegeln, Drähten und alten Batterien zu experimentieren. Aus alten Metallplatten und Glasstücken baute er ein kleines Solarpanel. Zunächst funktionierte es nicht. Die Glühbirne, die er angeschlossen hatte, leuchtete überhaupt nicht. Doch er verlor nicht die Hoffnung. Er informierte sich weiter über Solarenergie und darüber, wie Sonnenlicht in Strom umgewandelt werden kann. Nach vielen Tagen harter Arbeit gelang es ihm schließlich, ein Prototyp einer solarbetriebenen Lampe zu bauen.

Voller Begeisterung rannte er los, um es seinen Eltern zu zeigen. Sie waren verblüfft, als die Glühbirne allein durch Sonnenlicht aufleuchtete. Die Nachricht von Aaravs Erfindung verbreitete sich schnell im ganzen Dorf. Die Dorfbewohner versammelten sich vor seinem Haus, um das „Zauberlicht“ zu sehen. Aarav erklärte allen, dass es keine Zauberei sei – sondern Wissenschaft.

Bald darauf baute Aarav mit Hilfe seines Lehrers größere Solarmodule. Er nutzte sie, um eine Wasserpumpe anzutreiben, damit die Bauern ihre Felder auch ohne Stromanschluss bewässern konnten. Das ganze Dorf war stolz auf ihn. Reporter aus den umliegenden Städten kamen, um den „Wunderknaben von Sundarpur“ zu interviewen. Aaravs Erfindung wurde im Fernsehen ausgestrahlt.

Einige Monate später lud ein renommiertes wissenschaftliches Institut Aarav in seine Stadt ein. Man bot ihm ein Stipendium für ein Studium der Elektrotechnik an. Sein Traum wurde wahr. Aarav versprach, dass er, sobald er Wissenschaftler geworden sei, in sein Dorf zurückkehren und weitere Erfindungen mitbringen würde, um den Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen.

Jahre später hielt Aarav sein Versprechen. Er kehrte als bekannter Wissenschaftler zurück und errichtete in Sundarpur ein Solarenergiezentrum. Seine Arbeit veränderte nicht nur sein Dorf, sondern inspirierte auch viele junge Schüler dazu, ihre Träume zu verwirklichen.

🇬🇧 Once upon a time, in a small village named Sundarpur, there lived a boy named Aarav Awasti. Though he was only fifteen years old, his mind worked faster than a computer. His passion for science made him extraordinary among his peers. While other children played outside, he spent hours dismantling broken radios and studying machines because of his curiosity and intuition.

His poor parents, who were peasants, could not afford expensive books, but Aarav never gave up his interest in learning new things. He borrowed books from his school library and even collected old science magazines from various sources.

One hot summer, Sundarpur faced a serious problem. A storm broke the high-tension line, resulting in a power outage in the area for many days. People were in dire straits as they could not use fans, lights, or even water pumps. Everyone in the village was suffering. Aarav saw how difficult life had become, and he decided to find a solution.

He started thinking about making an alternative source of electricity so that people would not have to rely completely on power supplied through electric poles. One evening, while watching the sunset, Aarav felt the warmth of the sun during twilight. At that moment, an idea flashed in his mind, and he mumbled, “What if I could use the sun to make electricity?”

Aarav began experimenting with small pieces of mirrors, wires, and old batteries. He built a small solar panel using old metal plates and pieces of glass. At first, it didn’t work. The light bulb he connected did not glow at all. But he did not lose hope. He studied more about solar energy and how sunlight could be converted into power. After many days of hard work, he finally managed to create a sample solar-powered light.

Excited, he ran to show it to his parents. They were amazed when the bulb lit up using only sunlight. Word spread quickly around the village about Aarav’s invention. Villagers gathered at his house to see the “magic light.” Aarav explained to everyone that it wasn’t magic, it was science.

Soon, with the help of his school teacher, Aarav built larger solar panels. He used them to power a water pump so that farmers could water their crops even in the absence of wired electricity. The whole village was proud of him. Reporters from nearby cities came to interview the “Genius Boy of Sundarpur.” Aarav’s invention was broadcast on television.

A few months later, a famous science institute invited Aarav to their city. They offered him a scholarship to study electrical engineering. His dream was coming true. Aarav promised that when he became a scientist, he would return to his village and bring more inventions to help people live better lives.

Years later, Aarav kept his promise. He returned as a well-known scientist and built a solar energy center in Sundarpur. His work not only transformed his village but also inspired many young students to follow their dreams.

Der 2. Wunsch wird hier am Sonntag, 6. Dezember veröffentlicht.
The 2nd wish will be published here on Sunday, December 6.
Der 3. Wunsch wird hier am Sonntag, 13. Dezember veröffentlicht.
The 3rd wish will be published here on Sunday, December 13.
Der 4. Wunsch wird hier am Sonntag, 20. Dezember veröffentlicht.
The 4th wish will be published here on Sunday, December 20.

„We want to spread the light of education.“

from „Shikshako Jyoti“ – „Light of Education“ music video

Mehr zum Hintergrund

Der Anlass
An mehreren Schulen im Distrikt Baitadi hatten Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10 immer wieder Schrei- und Ohnmachtsanfälle, ohne erkennbare medizinische Ursache. Der Fachbegriff heißt Massenhysterie oder Konversionsstörung. Oft stecken extremer Stress oder unverarbeitete Belastungen dahinter. Solche Anfälle werden häufig dem Übernatürlichen zugeschrieben. Das nährt Stigma, Angst und Schweigen.

Der Workshop
Vom 25. bis 28. Oktober 2025 verband Mahendra an einer Schule mit rund 800 Schülerinnen und Schülern Beratungsgespräche mit einer Kreativreihe, unter anderem mit Schreiben, Musik und Tanz. Die Beratung half den Schülerinnen und Schülern zu verstehen, was mit ihnen geschieht, und gab ihnen Strategien für den Umgang damit.

Das Buch
Die Geschichten stehen auf Englisch und Nepali im Buch. Sie sind aus den Erfahrungen und Beobachtungen der Schülerinnen und Schüler entstanden und erzählen vom Alltag in einem ländlichen Dorf.

Die Sharad Library
Beim Workshop wurde sichtbar, dass die Schule eine Bibliothek braucht. Sie wurde am 22. März im Gedenken an den langjährigen Hauptlehrer Lt. Sharad Prasad Joshi (1946 bis 2020) übergeben, unterstützt von Nepalmed und Angehörigen. Jetzt haben die Schülerinnen und Schüler Zugang zu Büchern.

Das Musikvideo
„Shikshako Jyoti“ (Das Licht der Bildung) erzählt von Jyoti, einer Schülerin der 10. Klasse aus Lorkha in Baitadi. Sie liebt Schreiben und Lesen und will Ärztin werden. Freuen Sie sich auf ihre Geschichte als Musikvideo.


More about the background

At several schools in Baitadi district, students in grades 8 to 10 kept having episodes of screaming and fainting with no apparent medical cause. The technical term is mass hysteria, or conversion disorder. Extreme stress or unprocessed strain is often behind it. Such episodes are frequently blamed on the supernatural, which feeds stigma, fear and silence.

The Workshop
From October 25 to 28, 2025, Mahendra combined counselling sessions with a creativity series, including writing, music and dance, at a school with about 800 students. The counselling helped students understand what was happening to them and gave them strategies to cope. The stories in the book are in English and Nepali. They grew out of the students‘ own experiences and observations and tell of everyday life in a rural village.

The workshop also showed that the school needs a library. The Sharad Library was handed over on March 22 in memory of the long-serving head teacher Lt. Sharad Prasad Joshi (1946 to 2020), supported by Nepalmed and family members. Students now have access to books.

The music video
„Shikshako Jyoti“ (The Light of Education) tells the story of Jyoti, a 10th-grade student from Lorkha in Baitadi. Jyoti loves writing and reading, and she wants to become a doctor.